Wenn das Leben plötzlich die Richtung ändert


Ich verfolge die Nachrichten mehrmals täglich mit zunehmenden Unbehagen. Das Wissen, dass es für meine Stimmung besser wäre, diese Fülle an „bad news“ und Bildern von Leid und Zerstörung auszublenden, hilft mir nicht. Fast fühle ich mich suchtkrank.

Meine Fassungslosigkeit lähmt mich. Ich verharre in Schockstarre und frage mich, was auf mich, auf uns zukommt. Nichts ist mehr wie es vorher war, obwohl hier bei uns alles noch so erscheint wie immer. Wenn ich aufwache, lese ich zuerst die neuesten Nachrichten. Ich möchte wissen, ob unsere Welt noch heil, noch ganz ist.

Diese lähmende Angst, diese Schockstarre kostet mich meine gesamte Energie. Kein Fünkchen Freude, Lebenslust oder Heiterkeit ist mehr über. Mir fehlen Ideen für mein Buch, für meinen Blog, ich weiß plötzlich nicht mehr, was ich den Menschen im 3. Lebensabschnitt raten kann. Ich bin, wie alle in meiner Generation, in einer Welt des Friedens groß geworden. Zwar erinnere ich mich noch gut an den kalten Krieg, an den Einmarsch der Russen in der damaligen CSSR und auch an manch kritische Situation, in der wir uns am Rand des 3. Weltkriegs wähnten. Aber ich fühlte mich dennoch sicher, weil ich darauf vertraute, dass keiner der politischen Entscheidungsträger den finalen, atomaren Schlagabtausch herbeiführen wird.


Aber nun? Es ist, wie es ist.


Die unfassbaren Fakten sind anzuerkennen.


Und jetzt? Wie weiter?


Hoffen auf Frieden? Hoffen, dass es keine allzu bedrohlichen Auswirkungen auf mich, meine Familie, meine persönlichen Ziele und Projekte, auf meine Lebensumstände gibt?

Hoffen allein hilft mir nicht aus meiner tiefen Betroffenheit. Ich habe das Gefühl, ich muss etwas tun, ich muss aktiv werden. Ansonsten kann ich mich aus der Schockstarre nicht befreien. Und solange ich in der Starre gefangen bin, bleibe ich auch im Gefühl, ein hilfloses Opfer zu sein, stecken.

Ich muss das Gefühl der Selbstwirksamkeit zurückgewinnen. Ich will ein Gestalter meines Lebens bleiben, auch wenn die Gestaltungsmöglichkeiten sich nun vielleicht ändern, einschränken oder anders ausrichten. Ich will mich nicht meiner Angst ausliefern und darin ertrinken, sondern meine negativen Gedanken stoppen.


Was genau kann ich nun tun um das Gefühl der Selbstwirksamkeit zurück zu gewinnen?


1. Selbstwirksamkeit erlebe ich, wenn ich aktiv bin: ich beteilige mich an Hilfsprogrammen für die Ukraine und treffe gemeinsam mit Kolleg/Innen vom Roten Kreuz Vorbereitungen für die Ankunft von Flüchtlingen.


2. Ich beziehe in Gesprächen und Diskussionen ganz klar Position. Es hat einige Tage gedauert, mich von meiner Fassungslosigkeit zu erholen, und meine Meinung in klare Gedanken zu fassen, aber nun sind sie wohlformuliert und ich kann sie auch aussprechen. Bei Demos für den Frieden erlebe ich, dass ich nicht alleine bin mit meiner Sicht der Dinge und das gibt mir das Gefühl meiner Handlungsfähigkeit zurück.


3. Ich sorge gut für mich. Ich stärke mich durch das tägliche Schreiben. Lerne im Dialog mit mir selbst das Unabänderliche zu akzeptieren, kann meiner Angst ins Auge schauen, akzeptieren, dass sie da ist und sie dann Stück für Stück zurückweisen.


4. Im Schreiben nehme ich all meine Gefühle wahr, akzeptiere sie, aber ich entziehe ihnen die Erlaubnis, mich zu beherrschen.


5. Ich sage einfach "STOP" zu all meinen negativen Gedanken.


Und wie gelingt es mir, STOP zu sagen? Durch:


Achtsamkeitsübungen: zum Beispiel esse und kaue ich sehr bewusst und langsam, erlebe den Geschmack und spüre die Konsistenz der Speise, oder ich gehe barfuß und nehme die unterschiedlichen Bodenbeschaffenheiten wahr.

Griff in meine „Glücksbox“: Meine Glücksbox enthält eine Sammlung von Erinnerungen, die mir ein Lächeln ins Gesicht zaubern, mir eine heitere Stimmung verschaffen, mich glücklich machen. In der Box befinden sich Musikstücke, Bilder, Sprüche, Beschreibungen von Situationen. Ich such mir was aus, genieße die Musik, lese ein bestimmtes Buch oder Passagen aus dem Buch. Oder ich mache einen Waldspaziergang, vielleicht stürze ich mich auch in die Gartenarbeit.

Ich beschäftige meinen Kopf: ich mache etwas, was meine ganze Konzentration fordert. Ich lerne ein neues Stück am Klavier, oder ich probiere eine schwierige Yoga-Position zu perfektionieren. Manchmal suche ich mir via Youtube ganz was Neues: einen Kurs über Moderne Kunst, neue Vokabel in meiner Lieblings-Fremdsprache oder ein neues theoretisches oder philosophisches Thema.

Dankbarkeitsrituale: ich blicke auf die letzten Tage zurück und würdige alles, wofür ich dankbar bin, ich notiere die positiven Kleinigkeiten des täglichen Lebens aus denen meine Zufriedenheit gespeist wird: so zum Beispiel wie gut mir das neue Kuchenrezept gelungen ist, wie nett es war, mit der Nachbarin ein paar Minuten zu plaudern. Wie schön es ist, meinen Hund im Spiel mit seinen Freunden zu beobachten. Oder wie sehr ich es genieße, im Wasser, beim Schwimmen, meine Leichtigkeit zu spüren.

Ich suche das Gespräch: wenn ich allein aus meiner negativen Gedankenspirale nicht mehr herausfinde, dann hilft mir ein Gespräch. Entweder mit meinem Coach oder mit meiner besten Freundin.

Jedenfalls mache ich mir immer wieder bewusst, dass ich mich selbst für das Glück entscheiden kann, ich bin nicht ausgeliefert, bin nicht hilflos. Egal wie die äußeren Umstände auch sind: in meiner Gefühlswelt führe ich Regie! Niemand sonst!


Dies alles hilft mir in diesen Tagen. Vielleicht probieren Sie etwas davon aus. Oder wir kommen ins Gespräch: praxis@55plus-coach.com , phone: 0664 4101617.

Ich unterstütze Sie gerne!

0 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen
abstrakte Struktur
Nutzen Sie die Gelegenheit zum 
unverbindlichen Kennenlern-Gespräch
in den Praxisräumen von Elisana, Museumstr. 31a, 4020 Linz

neu im Blog "rund ums Thema"
FITNESS-TRAINING FÜR DIE SEELE

MARIA TOPF

Senior Coach